Aktuelle Meldung:
Aufgrund von Fledermäusen entfallen die Höhlenführungen ins Heidenloch bis auf Weiteres. Bereits gekaufte Tickets werden an den Vorverkaufsstellen erstattet.
Ein ganz persönlicher Einblick in die Arbeit des Heimat- und Geschichtsvereins Ückheim e. V.
Zusammengetragen vom Vorstandsvorsitzenden Hubert Schattenstreiker
Wöchentliche Klebesitzung im Archiv des HGÜ.
Der Boden unter unseren Füßen ist nicht nur reich an Kleintieren und Mineralien, sondern auch an Wissen. Deshalb buddeln wir vom HGÜ unermüdlich darin herum. Über die letzten Jahrzehnte konnten wir so eine ganze Menge Keramikscherben und Steinartefakte bergen, welche wir in unserem Archiv in der Altstadt aufbewahren und bei wöchentlichen Klebesitzungen so gut es geht wieder zusammenfügen. Die besser gelungenen Exemplare stellen wir dann im liebevoll gestalteten Heimat- und Geschichtsmuseum aus. Selbstverständlich gehören zu unserer Arbeit auch Rückschläge dazu. So kam es vergangenes Frühjahr etwa aufgrund ungeklärter Ursachen zum Einsturz eines großen Regals, wodurch sich die Anzahl der darin befindlichen Scherben auf einen Schlag vervielfacht hat.
Immer wieder wird mir schmerzhaft bewusst, wie wenig wir doch über die Welt unserer Urahnen wissen. So sind sich Historiker bis heute nicht einig, ob der hiesige „Römerpfad“, der sich von der Altstadt aus entlang des Mains gen Westen erstreckt, wirklich seinen Namen verdient. Trotzdem wird jener Römerpfad in beinahe jedem Tourismusprospekt der Stadt erwähnt. Ähnlich verhält es sich mit dem sogenannten „Heidenloch“ westlich von Mühlrath. Obschon uns sein einstiger Zweck unklar ist, sind die Höhlenführungen immer gut besucht. Vielleicht ist es gerade der Nebel des Unwissens, der diese Orte so interessant macht.
Der Heilige St. Ückerus
Ein großes Mysterium umweht ausgerechnet auch unseren Stadtnamen. Als Namenspate wird weithin der Heilige St. Ückerus, Schutzpatron des Ücktals, genannt. Allerdings ist man sich in der Mediävistik mittlerweile einig, dass die Figur im 12. Jahrhundert durch die Fehlinterpretation früher Klosteraufzeichnungen entstanden sein muss. In diesen Schriften wurde lediglich von Wundern „ad Uckam“ („an der Ück“) berichtet. Erst spätere Abschriften machten daraus dann eine Person. „Uckam“ war also vor dem Ückerus da, und seine tiefere Bedeutung bleibt uns bis heute schleierhaft. Vielleicht gibt es sie nicht.
Hugo Kauffmann: „Schlechtes Bier“, 1882
Im Forschungsfeld der Neuzeit präsentiert sich das Mosaik des Wissens weitaus vollständiger. Allerdings ist auch hier der Begriff der Benebelung allgegenwärtig, denn der letzte große Exportschlager unserer Stadt war eine kurzlebige Biermarke. Zur Gründerzeit baute der Unternehmersohn Udalrich Stunk im Ruhwald eine Brauerei, deren Ruine bis heute am Rande der Neustadt vorzufinden ist. Das dort gebraute Ückbräu fand dank Stunks unablässigem Geschäftsgebaren mehrere Jahre lang reißenden Absatz, obschon es weithin als ungenießbar galt. In Historikerkreisen kursiert die Theorie, dass Hugo Kauffmanns Gemälde „Schlechtes Bier“ von 1882 nach einem Abend im damaligen Wirtshaus Ücker Eck entstanden sein soll.
Historische Transportkiste der Marke Ückbräu, Bestand des Heimat- und Geschichtsmuseums.
Auch die grauenvollen Überlieferungen aus dem Dritten Reich sind Gegenstand unserer Arbeiten. Hier ist besonders zu erwähnen, dass sich Ückheim in einigen mündlichen Erzählungen immer noch als letzte Bastion gegen den Nationalsozialismus der 30er und 40er Jahre geriert. Da ist viel von Protestaktionen und erbittertem Widerstand die Rede. Unser Stadtarchiv steht jedem offen, der sich über die Glaubwürdigkeit dieser Erzählungen selbst ein Bild machen möchte. Ich wage zu behaupten, dass es in der Geschichte unserer Region schon eindrucksvollere Demonstrationen des Widerstands gegeben hat. Etwa im März 1848, als rund 30.000 aufgebrachte Bauern zum Herzog in Wiesbaden zogen, um gegen die Unterdrückung durch den Adel zu kämpfen.
Als Rudolf Klobauer in seiner Schreibstube in Mühlrath von diesen Geschehnissen erfuhr, schrieb er eine Zeile nieder, mit der ich bis heute meine Konzerte beende:
„Jede Heimat eine Scherbe — die Welt ist unser aller Erbe.“
In diesem Sinne möchte ich noch einmal auf das bunte Angebot unseres Museums hinweisen. Die auffallend schlechten Bewertungen, die uns auf einschlägigen Onlineportalen ereilen, sind das Produkt einer anhaltenden kleinlichen Fehde einiger lokaler Kulturtreibender. Wir vom HGÜ möchten uns da ganz höflich raushalten, um unsere Kräfte für wichtigere Angelegenheiten zu sparen.