„Sein Erbe zu verwalten, ist eine Last, die wir gerne tragen.“— Ernst Mensch, Stipendiat auf Lebenszeit
Aktuelles · 11. Oktober 2026
Bereitgestellt von der Redaktion des Ückheimer Anzeigers.
Herr Mensch, Sie widmen sich seit über 20 Jahren dem Vermächtnis Rudolf Klobauers. 80 % seiner Texte konnten aufgrund der unleserlichen Schrift bis heute nicht entschlüsselt werden. Wie bleiben Sie da bei Verstand?
Die Texte sind eine nette Puzzlearbeit. Das macht durchaus Spaß, was da immer wieder an neuen Informationen zutage tritt. Letzte Woche haben wir zum Beispiel einen Liebesbrief an seine Gattin Ida entziffern können. Da wurden gewisse Vorlieben deutlich, die unser Bild der beiden noch einmal ordentlich auf den Kopf gestellt haben.
Inwiefern?
Das soll Gegenstand einer künftigen Sonderausstellung werden.
Aktuell sucht Ihre Stiftung nach neuer Unterstützung in der Bestandsverwaltung. Wächst das Team?
Im Großen und Ganzen dünnt es eher aus. Aktuell besteht da ja eine große Belastung durch die immense Sammlung an Nasspräparaten, die der Klobauer uns hinterlassen hat. Da sind wir seit Monaten dran, eine Lösung zu suchen.
Mit Nasspräparaten meinen Sie…
Die Kröten. Und Frösche. Aus der Region.
Insgesamt 14 Tausend.
Genau. Der Mann war obsessiver Sammler, aber eben kein Profi. Deswegen auch der Gestank, der sich gerade durch die Korken frisst.
Die Kreisverwaltung spricht mittlerweile von einer biochemischen Gefahr für den gesamten Main-Ück-Kreis.
Das ist sicher nicht ganz aus der Luft gegriffen. Wenn der Wind gut steht, dann riechen die das bis nach Wurmloch. Das ging letzten Sommer los, da war der Großteil der Präparate noch im Heimat- und Geschichtsmuseum gelagert — aber ohne adäquate Temperierung! Und dann haben die uns die stinkenden Kartons einfach wieder vor die Tür gestellt.
Das hätten Sie sich bestimmt anders gewünscht.
[Lange Pause]
Gerade wünsche ich mir nur, endlich wieder befreit atmen zu können.
Befreit atmen — oder quaken — das ist auch ein zentrales Motiv in Klobauers umstrittenem Werk „Der Krötenzyklus“. Der wurde vor Kurzem zur Pflichtlektüre im hessischen Abitur gemacht. Was bedeutet das für Sie?
Das war natürlich eine große Ehre, auch wenn wir ein anderes Werk gewählt hätten. Am Ende wurde wohl aus Gründen der Gattungsvarianz zur Novelle gegriffen. Es ist trotzdem ein Sieg für alle, die Klobauers Bedeutung für die Literatur der Romantik zu schätzen wissen.
Wie feiern Sie diesen privat?
Nächste Woche mit einem guten Sekt und meinem Hund am Strand.
Vielen Dank für das Gespräch.
Klobauers Kröten
Deutschlands erste Geruchsausstellung macht zweitausend Präparate aus Klobauers Nachlass erstmals zugänglich – und sinnlich erfahrbar! Die Mitnahme eines Mund- und Nasenschutzes wird dringend empfohlen.